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Mahnwesen & OPOS

Mahnwesen reaktivieren in DATEV — der Workflow für eingeschlafene Mandate

Bei vielen Mandaten ist das Mahnwesen seit Quartalen ausgesetzt — die OPOS-Liste wächst, das Geld kommt nicht. So reaktivieren Sie das Mahnwesen strukturell.

·9 Min. Lesezeit·707 Wörter

Warum das Mahnwesen einschläft

In jeder dritten Mandantenbuchhaltung, die wir im Übernahme-Sprint sehen, ist das Mahnwesen aus­gesetzt. Die offiziellen Gründe: "Wir haben keine Zeit", "Die OPOS-Liste ist eh zu unübersichtlich", "Der Mandant will keine harten Mahnungen schicken". Der echte Grund ist meistens: Niemand traut sich, eine Mahnung zu drücken, weil keiner garantieren kann, dass die Rechnung wirklich offen ist.

Konsequenz: Die OPOS-Liste wächst, Liquidität sinkt, gute Kunden warten freiwillig ab statt zu zahlen ("die mahnen ja nicht"). Die Mathematik ist eindeutig: ein ausgesetztes Mahnwesen kostet jährlich 2–6 % des Forderungsbestands an Liquiditäts-Verlust und Forderungsausfällen. Bei einer 5-Mio-Forderung sind das 100.000–300.000 € stille Verluste pro Jahr.

Voraussetzung: saubere OPOS

Mahnwesen funktioniert nur, wenn die OPOS-Liste belastbar ist. Bei einer Liste mit 412 offenen Posten, von denen 200 schon bezahlt sind aber nicht ausgeziffert wurden, lähmt das Mahnwesen sich selbst — jede Mahnung wird zum Klärungsfall. Erste Pflicht ist daher die OPOS-Bereinigung: alle offenen Posten gegen Bank gematcht, ausgeziffert, dokumentiert. Erst dann kann das Mahnwesen wieder anlaufen.

DATEV-Mahnstufen verstehen

DATEV Kanzlei-Rechnungswesen kennt vier Mahnstufen mit zugehöriger Sperrfrist:

  • Mahnstufe 1 (Zahlungserinnerung): 14 Tage nach Fälligkeit, freundlicher Ton, keine Mahngebühren. Sperrfrist: 7 Tage.
  • Mahnstufe 2 (1. Mahnung): 28 Tage nach Fälligkeit, Mahngebühren typisch 5 €, Verzugszinsen. Sperrfrist: 14 Tage.
  • Mahnstufe 3 (2. Mahnung): 42 Tage nach Fälligkeit, Mahngebühren typisch 10 €, Hinweis auf Inkasso. Sperrfrist: 14 Tage.
  • Mahnstufe 4 (Letzte Mahnung): 56 Tage nach Fälligkeit, Anwalt-/Inkasso-Übergabe innerhalb 7 Tagen.

Die Sperrfristen sind wichtig: zwischen zwei Mahnstufen darf die System-Logik nicht direkt eine neue Mahnung schicken, sonst bekommt der Kunde fünf Mahnungen in einer Woche. Klassischer Stolperstein bei DATEV-Setups, die zum ersten Mal aktiviert werden.

Schritt-für-Schritt: Mahnwesen in DATEV reaktivieren

Schritt 1 — Mahn-Stammdaten prüfen

In KaRe → Stammdaten → Mahnverfahren. Pro Mandant: Mahntext-Vorlagen prüfen (sind sie aktuell, ist die Bankverbindung korrekt, ist die Geschäftsführung benannt). Mahngebühren-Logik prüfen (gestaffelt nach Mahnstufe). Verzugszinsen aktiv (Basiszinssatz + 5 % bei B2C, + 9 % bei B2B).

Schritt 2 — Mahn-Sperrungen prüfen

Mandanten mit aktiver Mahn-Sperre identifizieren. Sperrungen können auf Debitor-Ebene gesetzt sein (kompletter Kunde wird nicht gemahnt) oder auf Beleg-Ebene (einzelne Rechnungen). Sperrungen, die älter als 6 Monate sind, prüfen — sind sie noch sachlich begründet oder nur "vergessen"?

Schritt 3 — Test-Mahnlauf ohne Versand

In DATEV einen Mahnlauf simulieren ohne Versand. Das erzeugt eine Vorschau-Liste: welcher Kunde bekommt welche Mahnstufe für welchen Beleg. Diese Liste manuell prüfen. Wenn auffällige Fälle dabei sind (Top-Kunden auf Mahnstufe 3, Mandanten in Insolvenz, strittige Rechnungen) — diese vor dem echten Mahnlauf klären.

Schritt 4 — Erster echter Mahnlauf

Nach Klärung des Test-Laufs: echter Mahnlauf, Versand per Post oder E-Mail. Wichtig: Geschäftsführung der Kanzlei oder des Mandanten informieren — der erste Mahnlauf nach langer Pause ist eine Welle. Manche Kunden zahlen sofort, manche reagieren beleidigt, manche melden sich mit Klärungsbedarf. Das ist normal und kein Argument gegen das Mahnwesen.

Schritt 5 — Monatliche Routine etablieren

Mahnlauf monatlich, immer am 5. Werktag. In die Periodenabschluss-Vorlage als eigenen Schritt aufnehmen. So wird Mahnwesen Teil der Standard-Routine, nicht "wenn Zeit ist".

Wann nicht gemahnt wird — die Ausnahmen

Mahnwesen ist nicht stur. Es gibt Fälle, in denen Mahnungen ausgesetzt werden müssen:

  • Strittige Forderungen: Wenn der Kunde die Rechnung schriftlich beanstandet hat. Dann ist die Forderung erst zu klären.
  • Insolvenz: Wenn der Kunde insolvent ist, sind Mahnungen sinnlos. Forderung wird zur Tabelle angemeldet.
  • Stundungs-Vereinbarungen: Wenn schriftlich Stundung vereinbart ist, gilt das vereinbarte Datum.
  • VIP-Kunden mit Sondervereinbarung: Manche Kanzleien haben Top-Kunden, die nie gemahnt werden. Das ist legitim, sollte aber dokumentiert sein.

Mahn-Eskalation: was nach Mahnstufe 4 passiert

Nach Mahnstufe 4 gibt es zwei Wege: Inkasso oder Anwalt. Inkasso ist günstiger (10–25 % der Forderung), Anwalt ist effektiver bei größeren Beträgen (>5.000 €) und strittigen Fällen. Pro Mandant Eskalations-Logik festlegen — kleine Forderungen ans Inkasso, große an den Anwalt.

Strukturell: Mahnwesen ohne Drama

Wer Mahnwesen erfolgreich reaktiviert, hat ein OPOS-Liste, die strukturell schrumpft. Forderungsausfälle gehen zurück, Liquidität steigt, das Vertrauen der Sachbearbeitung in die Buchhaltung wächst. Mahnwesen ist nicht Strafe, sondern Prozess-Disziplin — und Prozess-Disziplin ist die Voraussetzung für jede strukturell saubere Buchhaltung.

Fazit

Ein ausgesetztes Mahnwesen ist kein Service am Kunden — es ist ein Liquiditäts-Verlust, der über Jahre läuft. Die Reaktivierung ist nicht spektakulär: saubere OPOS, Mahn-Stammdaten geprüft, Test-Mahnlauf, echter Mahnlauf, monatliche Routine. Aufwand pro Mandat: ein halber Tag Setup, danach monatliche Routine. Effekt: 2–6 % Liquiditäts-Verbesserung pro Jahr.

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